8. Juli 2026 / Aus aller Welt

WHO befürchtet fast Verdoppelung der Krebs-Diagnosen

Die Diagnose Krebs ist ein Schlag: Für Betroffene - und oft auch Angehörige. Fast alle Menschen werden zumindest einmal im Leben mit diesem Thema konfrontiert. Die WHO fordert neue Schwerpunkte.

Laut WHO werden 92 Prozent aller Menschen zumindest einmal im Leben mit dem Thema Krebs konfrontiert - als Betroffener oder Angehöriger
Veröffentlicht am 8. Juli 2026 um 14:00 Uhr

Die Zahl der jährlichen Krebs-Diagnosen weltweit wird sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich erhöhen. Wenn nicht gehandelt werde, sei 2050 mit 35 Millionen neuen Krebspatienten pro Jahr zu rechnen im Vergleich zu 20,6 Millionen 2024, teilte die WHO in ihrem neuen Krebsreport mit. Gründe seien unter anderem Mängel in der Prävention sowie die klassischen Risikofaktoren Rauchen, Alkohol, Bewegungsarmut und Übergewicht.

Beim Krebs drehten sich viele Debatten um neue Technologien, neue Behandlungsmöglichkeiten und neue Hoffnungen, sagte WHO-Experte André Ilbawi. Das sei aber mit Blick auf die ganze Welt nicht das vollständige Bild. «Viel zu viele Menschen werden immer noch im Stich gelassen.»

Große Unterschiede in der Überlebensrate

So seien die weltweiten Unterschiede beim Erkennen und erfolgreichen Behandeln von Krebs gewaltig. Beim Brustkrebs liege die Überlebensrate in den reichen Ländern bei 85 Prozent, in den ärmeren Staaten bei rund 40 Prozent. In nur 39 Prozent aller Länder sei der Zugang zumindest zu minimalen Behandlungen möglich. «Das bedeutet, dass ein Großteil der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer Grundversorgung hat», schreibt die WHO. 

«Krebs ist eine zutiefst persönliche Krankheit, die uns fast alle betrifft. Doch ob ein Mensch den Krebs überlebt, darf niemals davon abhängen, wo er geboren wurde oder wie viel er verdient», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. 

92 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben mit Krebs konfrontiert 

Die Diagnose bedeute oft sehr hohen seelischen Stress für Betroffene und Angehörige sowie den möglichen finanziellen Ruin, hieß es. «Krebs ist eine der Hauptursachen für medizinisch bedingten Bankrott», so der Report. Mehr als die Hälfte der Patienten und ihre Familien seien derzeit mit katastrophalen Gesundheitsausgaben konfrontiert.

Laut WHO werden 92 Prozent der Weltbevölkerung einmal im Leben mit Krebs zu tun haben - entweder als Patienten oder als enge Familienangehörige.

Gefährlicher Trend: Übergewicht und Bewegungsarmut

Gewisse Fortschritte bei der Prävention seien beim Rauchen erkennbar. Im Vergleich zu 2010 griffen 27 Prozent weniger Menschen zur Zigarette, Zigarre oder Pfeife. Nur geringfügig gebessert habe sich im Langzeit-Vergleich die Lage beim Alkohol. Bei Übergewicht und Bewegungsarmut sei ein sich verschlimmernder Trend erkennbar. 

Besonders weit verbreitet sind den Statistiken zufolge Brust-, Lungen-, Darm - und Prostatakrebs. Die größte Lücke sei nicht länger das Wissen um die Krankheit, sondern die Lücke «zwischen dem, was wir wissen und dem, was wir tun».


Bildnachweis: © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Bilanz zur Rocker-Razzia - Stadt-Mitarbeiter geschmiert?
Aus aller Welt

Ermittler berichten, wie sie gegen ein Geldwäsche-Netzwerk und die «Hells Angels» vorgegangen sind. Wie wurden die Geldströme verschleiert und haben städtische Mitarbeiter Informationen weitergegeben?

weiterlesen...
Beispiellos: Entsetzen nach gescheiterter Hinrichtung
Aus aller Welt

Die Hinrichtung von Christa Pike endet im Chaos: Augenzeugen berichten von einer beispiellosen gescheiterten Hinrichtung. Weitere Hinrichtungen sind in US-Bundesstaat Tennessee vorerst gestoppt.

weiterlesen...
Das Tschilpen verstummt - Spatzen «wie in Luft aufgelöst»
Aus aller Welt

Spatzen gehören zu den beliebtesten Vögeln - und wohnen wegen vieler schmuddeliger Ecken besonders gern in Berlin. Bei den gefiederten Wonneproppen liegt etwas böse im Argen: Sie verschwinden.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Aus aller Welt

Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.

weiterlesen...
Touristen-Golfcarts verstopfen Roms Zentrum – Ärger wächst
Aus aller Welt

Zahllose Golfcarts kutschieren Touristen durch Roms Zentrum - und sorgen für noch mehr Verkehrschaos in der ohnehin überlasteten Innenstadt. Der Ärger wächst. Nun wird um klare Regelungen gerungen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Cybergrooming: Ermittler warnen vor Massenphänomen im Netz
Aus aller Welt

Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.

weiterlesen...
Touristen-Golfcarts verstopfen Roms Zentrum – Ärger wächst
Aus aller Welt

Zahllose Golfcarts kutschieren Touristen durch Roms Zentrum - und sorgen für noch mehr Verkehrschaos in der ohnehin überlasteten Innenstadt. Der Ärger wächst. Nun wird um klare Regelungen gerungen.

weiterlesen...