26. August 2026 / Aus aller Welt

Sturzflut in Nepal: Mehr als 150 Tote und Hunderte Vermisste

Nach einer Sturzflut in Nepal steigt die Zahl der Toten. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst, darunter mehr als 400 Reisende. Was über die Ursache der verheerenden Katastrophe vermutet wird.

Die Sturzflut ereignete sich in der Grenzregion zwischen China und Nepal.
Veröffentlicht am 26. August 2026 um 23:00 Uhr

Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat zahlreiche Menschen getötet und verheerende Schäden angerichtet. Die Zahl der Todesopfer in der Gebirgsregion in Nepal ist auf mindestens 157 gestiegen. Das teilte die Polizei des Landes auf der Plattform X mit. China meldete für sich eine Zahl von mindestens drei Toten. Hunderte Menschen - darunter mehr als 400 Reisende aus Nepal und aus dem Ausland sowie Polizisten und Soldaten - werden vermisst. 

Was die Flutwelle auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die Zeitung «The Kathmandu Post» berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts im Himalaya-Staat vorgerückt.

Wie ein Erdbeben empfunden

Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, «dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde», teilte die USGS mit.

Auch Anwohner nahmen es am Anfang wie ein Beben wahr. Er habe gedacht, dass es ein Erdbeben am Morgen gegeben habe, wurde der Leiter des Hauptzollamts in Rasuwa, Rajendra Dhugana, von «The Kathmandu Post» zitiert. «Es war die Flut, die sich wie eine fast 100 Meter hohe Welle auftürmte und durch den Markt fegte.» Innerhalb von Sekunden sei der Markt verschwunden.

Die Behörden rufen den Katastrophenzustand aus

Auf Beschluss des Kabinetts in Kathmandu wurden betroffene Gebiete zu Katastrophengebieten für einen Zeitraum von drei Monaten erklärt. Sämtliche erforderlichen Ressourcen, einschließlich Hubschraubern der Armee und privater Anbieter, sollten für Rettungs- und Hilfsmaßnahmen mobilisiert werden. Für Familien, die ihre Häuser verlassen mussten, würden Unterkünfte und Verpflegung bereitgestellt. Die Regierung kündigte eine kostenlose medizinische Versorgung der Verletzten an.

Nach Zahlen der nepalesischen Regierung gab es zunächst keinen Kontakt mehr zu 391 ausländischen Touristen sowie 93 nepalesischen Reisenden. Zudem seien 44 Angehörige der nepalesischen Armee sowie 31 Polizeibeamte unauffindbar. Die nationale Tourismusorganisation Nepal Tourism Board hatte zuvor berichtet, der Großteil der vermissten Reisenden stamme aus dem Nachbarland Indien. Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. 

Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. «Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Auswärtige Amt keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen», hieß es aus Berlin weiter.

Videos zeigen das Ausmaß der Zerstörung

Die Wasser- und Schlammmassen richteten Medienberichten zufolge große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftanlagen und Straßen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden.

Vereinte Nationen unterstützen Hilfsmaßnahmen

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich nach Angaben eines Sprechers betroffen und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen würden die von der Regierung geleiteten Rettungsmaßnahmen unterstützen und dafür Hilfsgüter und Helfer bereitstellen.


Bildnachweis: © Niranjan Shrestha/AP/dpa
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