13. August 2026 / Aus aller Welt

Entwarnung nach Sprengstoffverdacht in Mittelfranken

Ein verdächtiger Gegenstand stoppt alle Züge in Treuchtlingen. Mit einem vergessenem Gepäckstück hat der Vorfall trotz Entwarnung nichts zu tun - die Ermittler haben einen schlimmen Verdacht.

Ein Roboter ist auf dem Bahnhofsgelände im Einsatz.
Veröffentlicht am 13. August 2026 um 15:16 Uhr

Nach dem Verdacht auf einen Sprengstofffund im fränkischen Treuchtlingen hat die Polizei Entwarnung gegeben. Bei dem gefundenen Gegenstand habe es sich nicht um einen Sprengkörper gehandelt, sagte ein Polizeisprecher.

Die Ermittler gehen allerdings davon aus, dass der Gegenstand bewusst als Attrappe platziert worden war. «Der Gegenstand sieht schon so aus, als wäre er absichtlich dort abgelegt worden», sagte Polizeisprecher Michael Konrad. Es bestehe der Verdacht, dass auch bewusst eine Ähnlichkeit mit einem Sprengsatz herbeigeführt worden sei.

Gegenstand wurde geröntgt

Der Gegenstand war gegen 8.30 Uhr von einem Techniker im Gleisbett südlich des Bahnhofs der Stadt gefunden worden. Ein Entschärfer-Team der Bundespolizei hatte den Gegenstand am Donnerstagvormittag geröntgt, konnte danach aber keine Entwarnung geben. Zwischenzeitlich wurden sogar «vorsichtshalber einige unmittelbar betroffene Gebäude» geräumt. Elf Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Bei einer zweiten Untersuchung wurde der Gegenstand mit Hilfe eines Roboters angehoben. Die letzte Röntgenaufnahme habe ergeben, dass in dem Gegenstand kein Sprengstoff enthalten sei.

Genauere Angaben zur Beschaffenheit und zum Erscheinungsbild des Gegenstandes machte Konrad nicht. Er bestätigte auch nicht Berichte, wonach es sich um ein «Päckchen» gehandelt habe. Die Ermittlungen habe die Kriminalpolizei in Ansbach übernommen. Über einen politischen Hintergrund gebe es derzeit keinerlei Erkenntnisse.

Ein dpa-Reporter vor Ort berichtete von einem großen Blaulicht-Aufgebot bestehend aus Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz. Der Bereich um die Fundstelle war weiträumig abgesperrt, Autofahrer wurden gebeten, das Gebiet weiträumig zu umfahren. Allein die Polizei hatte eigenen Angaben zufolge rund 100 Kräfte im Einsatz, darunter Sprengstoffexperten und Spurensicherer. Die Sperrung für Passanten und Anwohner im Umkreis von etwa 100 Metern um die Fundstelle wurde laut Polizei schrittweise wieder aufgehoben.

Zugverkehr war noch länger eingestellt

Der Zugverkehr war komplett zum Erliegen gekommen, auch nach der Entwarnung war die Bahnstrecke zuerst noch gesperrt. Die Kriminalpolizei sicherte im Gleisbereich noch Spuren, die Bahnstrecke wurde gegen 14.30 Uhr wieder freigegeben.

Betroffen waren laut Bahn im Nahverkehr die RB 16, der RE 16 und der RE 60. Die Fahrten der Regionalzüge endeten vorzeitig an geeigneten Bahnhöfen, ein Ersatzverkehr mit Bussen und Großraumtaxen war eingerichtet. Die Züge des Fernverkehrs fuhren über Ingolstadt.

Treuchtlingen hat rund 13.000 Einwohner und liegt zwischen Nürnberg und Ingolstadt. Die Stadt ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt für den Regionalverkehr im südlichen Mittelfranken und im nördlichen Oberbayern. Die Schnellfahrstrecke Nürnberg-Ingolstadt verläuft aber weiter östlich. Entsprechend waren die meisten ICE-Verbindungen zwischen München und Nürnberg nicht betroffen.


Bildnachweis: © Felix Kirberg/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Bilanz zur Rocker-Razzia - Stadt-Mitarbeiter geschmiert?
Aus aller Welt

Ermittler berichten, wie sie gegen ein Geldwäsche-Netzwerk und die «Hells Angels» vorgegangen sind. Wie wurden die Geldströme verschleiert und haben städtische Mitarbeiter Informationen weitergegeben?

weiterlesen...
Das Tschilpen verstummt - Spatzen «wie in Luft aufgelöst»
Aus aller Welt

Spatzen gehören zu den beliebtesten Vögeln - und wohnen wegen vieler schmuddeliger Ecken besonders gern in Berlin. Bei den gefiederten Wonneproppen liegt etwas böse im Argen: Sie verschwinden.

weiterlesen...
Beispiellos: Entsetzen nach gescheiterter Hinrichtung
Aus aller Welt

Die Hinrichtung von Christa Pike endet im Chaos: Augenzeugen berichten von einer beispiellosen gescheiterten Hinrichtung. Weitere Hinrichtungen sind in US-Bundesstaat Tennessee vorerst gestoppt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Auszug aus Royal Lodge: Andrew kassiert Entschädigung
Aus aller Welt

Titel weg, Ruf ruiniert und Anwesen in Windsor passé: Der im Zuge des Epstein-Skandals tief gefallene Ex-Prinz Andrew darf sich wenigstens über eine Entschädigung freuen. Doch es gibt einen Haken.

weiterlesen...
Hurrikan «Isaias» verstärkt sich: Evakuierungen an US-Küste
Aus aller Welt

Hurrikan «Isaias» hat sich auf seinem Weg zur US-Golfküste deutlich verstärkt. Meteorologen warnen vor schweren Folgen, die Behörden ordnen Evakuierungen an.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Auszug aus Royal Lodge: Andrew kassiert Entschädigung
Aus aller Welt

Titel weg, Ruf ruiniert und Anwesen in Windsor passé: Der im Zuge des Epstein-Skandals tief gefallene Ex-Prinz Andrew darf sich wenigstens über eine Entschädigung freuen. Doch es gibt einen Haken.

weiterlesen...
Hurrikan «Isaias» verstärkt sich: Evakuierungen an US-Küste
Aus aller Welt

Hurrikan «Isaias» hat sich auf seinem Weg zur US-Golfküste deutlich verstärkt. Meteorologen warnen vor schweren Folgen, die Behörden ordnen Evakuierungen an.

weiterlesen...