3. Juli 2026 / Aus aller Welt

«Neil the Seal»: Wenn Fan-Liebe für Tiere zur Gefahr wird

Der See-Elefant Neil ist in Australien ein Internetstar. Doch immer mehr Menschen wollen Selfies mit ihm machen. Die Behörden warnen: Zu viel Liebe könnte tödlich für den Meeressäuger enden.

«Neil the Seal» ist in Australien ein Internet-Liebling.
Veröffentlicht am 3. Juli 2026 um 08:46 Uhr

Er drückt Zäune um, schiebt Verkehrspoller durch die Gegend und schläft gern mitten auf der Straße: Der rund eine Tonne schwere See-Elefant Neil ist in Australien ein ebenso tapsiger wie berüchtigter Social-Media-Star. Fotos und Videos von «Neil the Seal», auf denen er mit Kulleraugen in die Kameras blickt, gehen gerade wieder viral. Doch der Hype um den rund fünf Jahre alten Meeressäuger könnte ihm zum Verhängnis werden. 

Die Behörden in Tasmanien warnen, große Wildtiere müssten im Extremfall eingeschläfert werden, wenn Menschen ihnen zu nahe kämen und dadurch ein unbeherrschbares Sicherheitsrisiko entstehe. Tausende Tierfreunde haben seither eine Petition zum Schutz Neils unterzeichnet. 

Worum geht es?

Der Bulle wurde im Oktober 2020 in der Nähe der tasmanischen Hauptstadt Hobart geboren. Anders als die meisten Artgenossen, die auf subantarktischen Inseln leben, kehrt Neil seit Jahren regelmäßig in Küstenorte Tasmaniens zurück – und landet dabei immer wieder mitten in Wohngebieten. Mehrmals im Jahr kommt er an Land, um sich auszuruhen oder sein Fell zu wechseln. 

Dabei sorgt der junge See-Elefant gerade wieder für viel Aufsehen, wenn er etwa Absperrungen beiseiteschiebt oder sich auf dem Asphalt ausruht und den Verkehr zum Erliegen bringt. See-Elefanten sind die größte Robbenart der Welt und können bis zu 4.000 Kilogramm wiegen.

Millionen Menschen haben bereits Videos von Neil geklickt. Genau diese Popularität bereitet den Behörden Sorgen: Immer wieder kämen Schaulustige bis auf wenige Meter heran, machten Selfies oder hielten sogar kleine Kinder für Fotos neben den Meeressäuger, erklärte die tasmanische Naturschutzbehörde.

See-Elefanten können Menschen verletzen

«Neil ist ein großes Raubtier aus dem Meer», zitierte der australische «Guardian» den Wildtierexperten Kris Carlyon. Das gewaltige Tier könne zwar friedlich wirken, sei aber durchaus in der Lage, einen Menschen schwer zu verletzen. 

Es bestehe die reale Gefahr, dass Neil «im Grunde zu Tode geliebt» werde, warnte er. Auch in anderen Ländern hätten große, potenziell gefährliche Tiere bereits eingeschläfert werden müssen, weil das Verhalten der Menschen zu einem nicht mehr beherrschbaren Sicherheitsrisiko geführt habe. 

Schutzzonen und Geldbußen gefordert

Die Petition fordert die Behörden hingegen auf, eine Tötung des Tieres kategorisch auszuschließen. Stattdessen verlangen die Initiatoren Schutzzonen als Ruheplatz für den Meeressäuger und Geldstrafen für Menschen, die ihn bedrängen. Innerhalb von zwei Tagen kamen bereits fast 7.000 Unterschriften zusammen. «Neil hat es nicht verdient, zu sterben, nur weil er an seinen Geburtsort zurückkehrt und dabei seinem natürlichen Instinkt folgt», brachte es eine Frau mit einem Kommentar im Internet auf den Punkt.

Die Naturschutzbehörde betonte zur Erleichterung vieler, dass eine Einschläferung derzeit nicht geplant sei. Sie rief alle Fans dazu auf, mindestens 20 Meter Abstand zu halten, Hunde mindestens 50 Meter fernzuhalten und Neil weder zu füttern noch anzufassen. Nur so lasse sich verhindern, dass Australiens berühmtester See-Elefant zum Opfer seiner Beliebtheit wird.


Bildnachweis: © Sam Volker/Sam Volker Photography/AP/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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