31. Juli 2026 / Aus aller Welt

Leichen über Monate gehortet: Haft für Bestatter in England

Ein Bestatter hortet monatelang Leichen und betrügt seine Kunden auf perfide Weise. Nun muss er ins Gefängnis. Die Ergebnisse der Ermittlungen zeichnen ein grausiges Bild.

Ein Bestatter wurde in England zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Veröffentlicht am 31. Juli 2026 um 15:40 Uhr

Weil er Dutzende Leichen gehortet und trauernden Familien die Asche von Fremden ausgehändigt hat, ist ein Bestatter in England zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der 48-jährige Mann bekannte sich zu 67 Straftaten schuldig, darunter 30 Fälle der Verhinderung einer rechtmäßigen und würdevollen Bestattung. Der Fall, über den britische Medien seit langem berichten, hatte in Großbritannien Entsetzen ausgelöst.

Bei einer Razzia in dem Bestattungsunternehmen im März 2024 entdeckten Ermittler ein «schockierendes Bild», wie die Nachrichtenagentur PA aus dem Gerichtssaal in der nordenglischen Stadt Hull berichtete. Dutzende Leichname wurden gefunden, die den Angaben nach teils bereits verwest zurückgelassen worden waren. Asche war zudem in verschimmelten Kartons und verstreut auf dem Boden gefunden worden. 

Viele Leichen - darunter auch die Leiche eines ungeborenen Babys - hätten demnach bereits Monate zuvor eingeäschert werden sollen. Im Laufe der Ermittlungen konnten laut PA zudem 57 weitere Familien identifizieren werden, die falsche oder gar keine Asche bekommen hatten.

Richter: Mann handelte aus «finanzieller Gier»

Der Bestatter habe «Leid und Schmerz in einem Ausmaß verursacht, das jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt», sagte der Richter PA zufolge. Es gebe keinen Zweifel, dass sich der 48-Jährige «aufgrund finanzieller Gier auf solch betrügerische Weise verhalten hat».

Über Jahre habe der Bestatter das Vertrauen seiner Kunden auf vielfältige Weise missbraucht, so der Richter. «Wenn er einen Sarg, für den bereits jemand bezahlt hatte, wiederverwenden konnte, tat er das. Wenn es billiger war, jemanden unter ungekühlten Bedingungen aufzubewahren, tat er auch das.» Viele seiner Kunden könnten sich bis heute nicht sicher sein, tatsächlich die Asche ihrer Angehörigen bekommen zu haben.

In den vergangenen Tagen schilderten Angehörige vor Gericht ihren Ekel und ihr Entsetzen über die Taten, während der Mann auf der Anklagebank saß. Laut PA wurden die Aussagen von mehr als 200 Opfern verlesen. Viele, die ihre Erklärungen persönlich vorbrachten, brachen dabei in Tränen aus.


Bildnachweis: © Scott Heppell/PA Wire/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Bilanz zur Rocker-Razzia - Stadt-Mitarbeiter geschmiert?
Aus aller Welt

Ermittler berichten, wie sie gegen ein Geldwäsche-Netzwerk und die «Hells Angels» vorgegangen sind. Wie wurden die Geldströme verschleiert und haben städtische Mitarbeiter Informationen weitergegeben?

weiterlesen...
Das Tschilpen verstummt - Spatzen «wie in Luft aufgelöst»
Aus aller Welt

Spatzen gehören zu den beliebtesten Vögeln - und wohnen wegen vieler schmuddeliger Ecken besonders gern in Berlin. Bei den gefiederten Wonneproppen liegt etwas böse im Argen: Sie verschwinden.

weiterlesen...
Aus Grevenbroich in die Datenrettung: iAmbulanz startet RSQDATA
Lokalpioniere

Neue Marke aus Grevenbroich rettet Festplatten, SSDs und RAID-Systeme mit Festpreis-Garantie: kein Erfolg, keine Kosten.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Jugendwort 2026: Daubner-Video sorgt für Spekulationen
Aus aller Welt

Jugendliche wählen Jahr für Jahr ihr Lieblingswort. Am Samstag wird der aktuelle Gewinner gekürt. Doch vorab sorgt ein Video im Netz für Wirbel.

weiterlesen...
Überreste von Grenzanlagen am Checkpoint Charlie entdeckt
Aus aller Welt

Am früheren Checkpoint Charlie in Berlin sind historische Spuren der DDR-Grenzanlage freigelegt worden. Die Funde könnten künftig helfen, die Geschichte des Ortes anschaulicher zu vermitteln.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Jugendwort 2026: Daubner-Video sorgt für Spekulationen
Aus aller Welt

Jugendliche wählen Jahr für Jahr ihr Lieblingswort. Am Samstag wird der aktuelle Gewinner gekürt. Doch vorab sorgt ein Video im Netz für Wirbel.

weiterlesen...
Überreste von Grenzanlagen am Checkpoint Charlie entdeckt
Aus aller Welt

Am früheren Checkpoint Charlie in Berlin sind historische Spuren der DDR-Grenzanlage freigelegt worden. Die Funde könnten künftig helfen, die Geschichte des Ortes anschaulicher zu vermitteln.

weiterlesen...