10. Juli 2026 / Aus aller Welt

Viele Tote bei Waldbrand in Andalusien - «Schreckensnacht»

Der Brand in Almería gilt als der bisher tödlichste des 21. Jahrhunderts in Spanien. Unter den Opfern befinden sich mutmaßlich auch Ausländer. Experten sprechen von einer vermeidbaren Tragödie.

Experten sprechen von einer vermeidbaren Tragödie.
Veröffentlicht am 10. Juli 2026 um 16:19 Uhr

Ein verheerender Waldbrand hat unweit beliebter Mittelmeer-Strände im Süden Spaniens viele Menschenleben gefordert. Nach Angaben der Regionalregierung von Andalusien gab es im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar in der Provinz Almería mindestens zwölf Todesopfer. Der TV-Sender RTVE sprach vom «tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts» im beliebten Urlaubsland. Da 23 Personen vermisst werden, steht die genaue Totenzahl nicht fest.

Die Opfer erlebten wohl ein schreckliches Ende: Vier seien in einem Fahrzeug, acht andere auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt, hieß es. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt hätten.

Große Sorge in Großbritannien

Aufgrund verschiedener Indizien vermute man, dass unter den Toten Ausländer seien, möglicherweise Briten und Belgier, aber man müsse die Identifizierung der Opfer abwarten, erklärte regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz. Als Ursache des Brandes wird der Einsturz einer Stromleitung vermutet.

Die Tragödie löste nicht nur in Spanien, sondern auch im Ausland große Bestürzung aus. Vor allem in Großbritannien herrschte große Sorge. Dort wurde mit Bangen auf die Identifizierung der Opfer gewartet, die laut Behörden und Medien möglicherweise sogar mehrheitlich britische Staatsangehörige sein könnten. Eine Sprecherin der Downing Street sprach gegenüber der Nachrichtenagentur PA von «besorgniserregenden Berichten». Das britische Außenministerium stehe in engem Kontakt mit den spanischen Behörden.

Anwohner erlebten ein «Inferno»

Auf Videos, die von RTVE und anderen Medien veröffentlicht wurden, hört man Menschen verzweifelt schreien: «Was für ein Horror, was für ein Horror!», «Das Feuer ist ganz in der Nähe!» und «Häuser brennen!». Der Bürgermeister der betroffenen Ortschaft Antas, Pedro Ridao, sagte, man habe eine «Schreckensnacht» erlebt. Anwohner sprachen im TV von einem «Inferno» und einem «Alptraum».

Die bislang tödlichsten Waldbrände in der Geschichte Spaniens ereigneten sich 1979 im katalanischen Lloret de Mar sowie 1984 auf der Kanareninsel La Gomera. Dabei starben 21 beziehungsweise 20 Menschen. Bei einem Waldbrand in Guadalajara nördlich von Madrid gab es 2005 elf Tote, allesamt Feuerwehrleute.

Bei dem jetzigen Feuer gab es neben den zwölf Todesopfern nach einer vorläufigen Bilanz der Regionalregierung acht Verletzte, vier davon waren schwer verletzt. Minister Sanz sprach von einer «beispiellose Tragödie» - es sei der Waldbrand «mit den bislang schwersten Folgen» in Andalusien. «Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.»

Bestürzung auch im Königshaus und im Madrider Regierungspalast

Auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez brachte auf der Plattform X seine «große Trauer und Bestürzung angesichts der schrecklichen Folgen des Brandes» zum Ausdruck. Das Königshaus von Monarch Felipe VI. schrieb auf X: «Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos (...). Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme aus.»

Mehr als 1.000 Menschen mehrerer Ortschaften wurden evakuiert und in Notzelte in benachbarten Orten wie Mojácar gebracht. Auch ein Campingplatz, der bislang von den Flammen verschont blieb, wurde vorsorglich geräumt. 400 teils ältere Menschen seien an sichere Orte gebracht worden. «Durch die Evakuierungen wurden viele Menschenleben gerettet», sagte Sanz.

Der Brand war am Donnerstagabend in der im Küstenhinterland nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería gelegenen 3.000-Einwohner-Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen. Bis Freitagvormittag erfassten die Flammen laut Behörden mehr als 3.000 Hektar. Auf TV-Bildern war zu erahnen, wie gewaltig das Feuer sein muss: Über der wald- und hügelreichen Gegend zeichneten sich die orangefarbenen Flammen in großer Breite ab. Mehrere Straßen wurden gesperrt.

Region bei Briten, Franzosen und Belgiern sehr beliebt

Auch wenn die betroffene Region nicht zu bekanntesten Touristen-Hotspots Spaniens gehört: Strände wie die Playa de Mojácar werden im Sommer vorwiegend von Spaniern, nach Behördenangaben aber auch von Zehntausenden ausländischen Touristen vor allem aus Großbritannien, Belgien und Frankreich besucht.

Etwa 150 Feuerwehrleute hatten zunächst die ganze Nacht über bei starkem Wind gegen die Flammen gekämpft. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde am Freitag auf mehr als 460 erhöht. «Sie kämpfen mit aller Kraft gegen einen schrecklichen Brand, der sehr komplex ist und sich schnell ausbreitet», sagte Sanz. Eingesetzt werden dabei auch elf Löschflugzeuge und -Hubschrauber.

Experten klagen: «Ein ewiges Déjà-vu»

Spanien, aber auch Portugal und andere europäische Länder werden schon seit Wochen von einer ganzen Serie von Waldbränden heimgesucht. In Italien wütete am Freitag ein großes Feuer. Betroffen ist ein Gebiet von mehr als 600 Hektar in der norditalienischen Region Piemont am Rande des Nationalparks Val Grande. In der Ortschaft Colloro mussten etwa 150 Menschen sicherheitshalber ihre Häuser verlassen.

Seit Jahresbeginn haben großflächige Feuer allein in Spanien bereits mehr als 57.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.

Experten beklagten unterdessen erneut mangelnde Präventionsmaßnahmen. Sie sprechen von einer vermeidbaren Tragödie. Bewohnte Gebiete lassen sich ohne größere Ausgaben besser schützen, behaupteten gleich mehrere Forstexperten und erfahrene Brandbekämpfer in RTVE unisono.

«Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemaßnahmen», sagte zum Beispiel Waldbrandbekämpfer Román García in RTVE. Solche Brände würden durch den Klimawandel und die globale Erwärmung begünstigt. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff und begünstigten die rasche Ausbreitung der Feuer.


Bildnachweis: © Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Bilanz zur Rocker-Razzia - Stadt-Mitarbeiter geschmiert?
Aus aller Welt

Ermittler berichten, wie sie gegen ein Geldwäsche-Netzwerk und die «Hells Angels» vorgegangen sind. Wie wurden die Geldströme verschleiert und haben städtische Mitarbeiter Informationen weitergegeben?

weiterlesen...
Das Tschilpen verstummt - Spatzen «wie in Luft aufgelöst»
Aus aller Welt

Spatzen gehören zu den beliebtesten Vögeln - und wohnen wegen vieler schmuddeliger Ecken besonders gern in Berlin. Bei den gefiederten Wonneproppen liegt etwas böse im Argen: Sie verschwinden.

weiterlesen...
Beispiellos: Entsetzen nach gescheiterter Hinrichtung
Aus aller Welt

Die Hinrichtung von Christa Pike endet im Chaos: Augenzeugen berichten von einer beispiellosen gescheiterten Hinrichtung. Weitere Hinrichtungen sind in US-Bundesstaat Tennessee vorerst gestoppt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Auszug aus Royal Lodge: Andrew kassiert Entschädigung
Aus aller Welt

Titel weg, Ruf ruiniert und Anwesen in Windsor passé: Der im Zuge des Epstein-Skandals tief gefallene Ex-Prinz Andrew darf sich wenigstens über eine Entschädigung freuen. Doch es gibt einen Haken.

weiterlesen...
Hurrikan «Isaias» verstärkt sich: Evakuierungen an US-Küste
Aus aller Welt

Hurrikan «Isaias» hat sich auf seinem Weg zur US-Golfküste deutlich verstärkt. Meteorologen warnen vor schweren Folgen, die Behörden ordnen Evakuierungen an.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Auszug aus Royal Lodge: Andrew kassiert Entschädigung
Aus aller Welt

Titel weg, Ruf ruiniert und Anwesen in Windsor passé: Der im Zuge des Epstein-Skandals tief gefallene Ex-Prinz Andrew darf sich wenigstens über eine Entschädigung freuen. Doch es gibt einen Haken.

weiterlesen...
Hurrikan «Isaias» verstärkt sich: Evakuierungen an US-Küste
Aus aller Welt

Hurrikan «Isaias» hat sich auf seinem Weg zur US-Golfküste deutlich verstärkt. Meteorologen warnen vor schweren Folgen, die Behörden ordnen Evakuierungen an.

weiterlesen...