Vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit sogenannten Botanicals warnt eine Gruppe von Wissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern. In einem Brief an die Bundesministerien für Landwirtschaft, Ernährung sowie Wirtschaft fordern die Experten, die ungeregelte Situation mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen im Sinne des Verbraucherschutzes zu beenden. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, schreiben die Autoren in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Gesundheit der Verbraucher sei in Gefahr. Vor Markteintritt müssen die Hersteller ihre Produkte lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in ein Register eintragen. Eine behördliche Prüfung sei aber nicht vorgesehen, kritisiert die Gruppe und verweist auf toxikologische Risiken. Anders werde dies etwa in der Schweiz oder in anderen EU-Staaten wie Frankreich oder Belgien gehandhabt, wo es für diese Art der Nahrungsergänzungsmittel deutlich schärfere Dokumentationspflichten gebe. Vom Gesetzgeber fordern die Experten, dass Hersteller und Vertriebsfirmen bereits bei der Anmeldung korrekte und verständliche Informationen angeben müssen. Außerdem sollte es eine kontinuierliche Prüfung von Rohstoffen und fertigen Produkten mit anerkannten Analysemethoden geben. Irreführende Gesundheitsversprechen müssten besser geprüft werden. Einer der Unterzeichner ist der Andreas Hensel. Er ist Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie und leitet an der Uni Münster das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie. Im vergangenen Jahr seien über 30.000 Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland angemeldet worden, sagte der Professor für Pflanzenchemie der Deutschen Presse-Agentur. Weil aber die gesetzlichen Vorgaben bei diesem Schritt so ungenügend seien, folge anschließend oft ein Streit zwischen den Landesuntersuchungsämtern, die auf Probleme hinweisen, und den Anwälten der Firmen, die auf ihre eigenen andere Analyseverfahren verweisen. «Damit kannst du dich immer herausreden», sagt Hensel. Verbraucher würden Risiken ausgesetzt, die sie nicht erkennen können.30.000 Registrierungen im Jahr 2025
Bildnachweis: © Vanessa Reiber/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Experten warnen vor Risiken bei Nahrungsergänzungsmitteln
Mehr als 30.000 neue Mittel kamen 2025 auf den Markt – ohne behördliche Prüfung. Wissenschaftler schlagen Alarm und schicken einen Brief an zwei Bundesministerien.
Meistgelesene Artikel
- 15. September 2026
Das Tschilpen verstummt - Spatzen «wie in Luft aufgelöst»
Spatzen gehören zu den beliebtesten Vögeln - und wohnen wegen vieler schmuddeliger Ecken besonders gern in Berlin. Bei den gefiederten Wonneproppen liegt etwas böse im Argen: Sie verschwinden.
- 11. September 2026
Aus Grevenbroich in die Datenrettung: iAmbulanz startet RSQDATA
Neue Marke aus Grevenbroich rettet Festplatten, SSDs und RAID-Systeme mit Festpreis-Garantie: kein Erfolg, keine Kosten.
- 21. September 2026
Hunderte Frauen feiern lesbisches Wiesn-Event
Bars und Clubs für schwule Männer gibt es zuhauf - und mit dem «Gay Sunday» auch ein eigenes Wiesn-Event. Nun wollen sich auch lesbische Frauen ihren Platz auf dem Oktoberfest erobern.
Neueste Artikel
- 7. Oktober 2026
Missbrauch im Kinderzimmer - «Ich schäme mich»
Für einen mehrmonatigen Hafturlaub gilt ein Sexualtäter als vorbereitet. Dann kommt er in Franken mit Kindern in Kontakt und wird nach eigenen Angaben rückfällig – welche Fehler machten die Behörden?
- 7. Oktober 2026
Viele Verletzte bei Messerattacke an Schule in Polen
Schock im polnischen Ostroleka: Ein 19-Jähriger sticht mit einem Messer zu, Schüler und Lehrer werden verletzt. Was Zeugen berichten und wie die Stadt jetzt reagiert.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 7. Oktober 2026
Missbrauch im Kinderzimmer - «Ich schäme mich»
Für einen mehrmonatigen Hafturlaub gilt ein Sexualtäter als vorbereitet. Dann kommt er in Franken mit Kindern in Kontakt und wird nach eigenen Angaben rückfällig – welche Fehler machten die Behörden?
- 7. Oktober 2026
Viele Verletzte bei Messerattacke an Schule in Polen
Schock im polnischen Ostroleka: Ein 19-Jähriger sticht mit einem Messer zu, Schüler und Lehrer werden verletzt. Was Zeugen berichten und wie die Stadt jetzt reagiert.

