6. August 2026 / Aus aller Welt

Donau-Niedrigwasser legt in Ungarn die Flusskreuzer lahm

Hotelschiffe kommen nicht mehr weiter, Passagiere müssen umsteigen. Der Rekord-Tiefstand der Donau bedeutet für Reisende Unannehmlichkeiten. In Budapest sorgt er aber auch für ungewöhnliche Phänomene.

Das Niedrigwasser der Donau legt Inseln frei.
Veröffentlicht am 6. August 2026 um 12:10 Uhr

Der durch Hitze und Trockenheit bedingte Rekord-Tiefstand der Donau hat den Verkehr der Flusskreuzfahrtschiffe auf dem Budapester Abschnitt des Stromes zum Erliegen gebracht. «Kein Schiff kommt weiter als bis nach Komarom», sagte Lilla Lassu, Vizepräsidentin des Ungarischen Verbands der Incoming-Unternehmen, dem ungarischen Fernsehsender RTL Klub. Komarom ist ein Donauhafen, der rund 120 Kilometer flussaufwärts von Budapest liegt.

Die Passagiere würden dort in Busse umsteigen, die sie zu ihren Besichtigungsprogrammen oder zum Flughafen der ungarischen Hauptstadt bringen, fügte die Fremdenverkehrsfunktionärin hinzu. Nach Darstellung des ungarischen Verkehrsministeriums liegen derzeit sieben internationale Hotelschiffe im Donauhafen Komarom.

Der Pegelstand der Donau betrug am Donnerstagmorgen in Budapest nach Angaben der Landeswasserdirektion gerade mal 23 Zentimeter. Den Rekord-Tiefstand hatten die Messstellen in Budapest am letzten Sonntagabend mit 9 Zentimetern verzeichnet.

Für Hotelschiffe heißt es warten 

Auch an den Budapester Anlegestellen sind Flusskreuzfahrtschiffe zu sehen. Sie hatten die ungarische Hauptstadt noch vor dem dramatischen Absinken des Pegelstands erreicht und sind nun zum Warten verurteilt. In den nächsten Tagen sei zwar mit Niederschlägen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der Landeswasserdirektion zu RTL Klub, doch diese würden voraussichtlich nicht ausreichen, um die Budapester Donau für die Flusskreuzer wieder passierbar zu machen. 

Ein Felsen wächst sich zur Insel aus

Der niedrige Wasserstand legt derzeit die Pfeiler der Donaubrücken frei und führt im Flussbett zur Entstehung von Inseln. Zu einer besonderen Attraktion wurde der sogenannte Hungerfelsen (ungarisch: Inseg szikla). Die Steinansammlung nahe der Freiheitsbrücke ragt bei niedrigen Pegelständen immer wieder aus dem Strom hervor. In diesen Tagen hat sie sich zu einer veritablen Insel ausgewachsen. Einheimische und Touristen steigen darauf herum. 

Den Namen erhielt das Phänomen in früheren Jahrhunderten, als am Budapester Donauufer Mühlen das Mehl für das Brot der Stadt mahlten. Das Auftauchen des Hungerfelsens signalisierte den Budapestern, dass der Wasserstand für den Betrieb der Mühlen nicht mehr ausreichte. Kein Mehl fürs Brot bedeuteten wiederum Hunger und Not. 

Auch dem Plattensee fehlt das Wasser 

Die Trockenheit beeinträchtigt auch den Plattensee (ungarisch: Balaton), den größten Binnensees Mitteleuropas. Fotos in den Medien zeigen Segelschiffe und Jachten, die am Ufer feststecken und wegen des niedrigen Wasserstandes nicht ausfahren können. Auch dieses Gewässer verzeichnet derzeit Rekord-Tiefstände. 

Selbst in normalen Zeiten ist der See durchschnittlich nur 3,2 Meter tief. Derzeit seien es gerade mal 54 Zentimeter, schrieb das Nachrichtenportal «444.hu». Badende, die 50 Meter in den See hinauslaufen, würden immer noch in nur knöcheltiefem Wasser stehen. Selbst Tretboote würden unbenutzbar im Uferschlamm liegen.


Bildnachweis: © Bela Szandelszky/AP/dpa
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