10. September 2026 / Aus aller Welt

Sirenengeheul am Warntag - Alarmton stoppt sogar Parlamente

Um 11.00 Uhr wurden die Menschen in Deutschland vorsätzlich aufgeschreckt: Die Behörden wollten testen, ob sie die Bevölkerung bei einem Notfall schnell genug warnen können. Erste Bilanz: sie können.

Um 11.00 Uhr machten deutschlandweit die Mobiltelefone Alarm.
Veröffentlicht am 10. September 2026 um 14:34 Uhr

Sirenen heulten, Handys lärmten, und große Anzeigetafeln schlugen ebenfalls Alarm - aber es war nur ein Test: Beim bundesweiten Warntag haben die Behörden zum mittlerweile sechsten Mal die Alarmsysteme in Deutschland für eine eventuelle Notlage getestet.

Der Alarm wurde um 11.00 Uhr über Tausende Sirenen und mehrere Smartphone-Apps verbreitet sowie über das Cell-Broadcast-Verfahren, das auch Handys ohne Warn-App erreicht. Weitere Verbreitungswege waren digitale Anzeigetafeln sowie Fernsehen und Hörfunk. Über die gleichen Kanäle gab es um 11.45 Uhr auch eine offizielle Entwarnung.

Staatliche Einrichtungen wollen auf diesem Weg testen, ob sie die Bevölkerung im Ernstfall gut erreichen und warnen können - etwa bei einer Naturkatastrophe oder einem militärischen Angriff. Auf der Webseite warntag-umfrage.de können Bürgerinnen und Bürger nun ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Warntag mitteilen. Einzelne Handynutzer berichteten bereits, dass sie die Alarmmeldung erst mit einigen Minuten Verzögerung erhielten.

Innenminister Dobrindt: Warnsysteme funktionieren zuverlässig

Das Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zogen trotzdem eine positive Bilanz. «Unsere Warnsysteme funktionieren zuverlässig, erreichen unsere Bevölkerung auf den unterschiedlichsten Wegen und sind wichtiger Teil unseres leistungsstarken Bevölkerungsschutzes», sagte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) in einer ersten Einschätzung. 

Auch BBK-Präsidentin Grit Tüngler kam zu dem Ergebnis, «dass unser Bundeswarnsystem und die daran angeschlossenen Warnkanäle zuverlässig funktionieren und im Ernstfall Millionen von Bürgerinnen und Bürgern warnen». Bei der Premiere im September 2020 war so viel schiefgegangen, dass der damals neu eingeführte Warntag für ein Jahr ausgesetzt wurde. Seit 2022 findet der deutschlandweite Probealarm aber einmal jährlich statt. 

Lärmende Warn-Apps stoppen Parlamente und Gerichte

Die Warn-Apps machten auch vor den Haushaltsberatungen im Bundestag nicht halt: Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), die in diesem Moment gerade die Eckdaten ihres Etats vorstellte, musste ihre Rede kurz unterbrechen, bis im Plenarsaal alle Alarmtöne wieder ausgestellt waren - auch an ihrem eigenen Handy. 

Ebenfalls kurzzeitig gestoppt wurde der Prozess um den gewaltsamen Tod des kleinen Fabian aus Güstrow. Der Richter unterbrach die Verhandlung bereits um kurz vor 11.00 Uhr, ehe am Rostocker Landgericht die Mobiltelefone schrillten.

Millionen-Förderung für zusätzliche Sirenen

Im vergangenen Jahr wurden nach BBK-Angaben zwei Drittel der Menschen in Deutschland über eine Sirene erreicht - ein steigender Anteil. Nach Ende des Kalten Krieges hielt man Sirenen nämlich für überflüssig und baute sie vielerorts ab. Mittlerweile hat ein Umdenken eingesetzt.

Seit 2021 unterstützt der Bund die Errichtung, Reparatur und Modernisierung von Sirenen. Im vergangenen Jahr flossen auf diesem Weg rund 11,9 Millionen Euro in den Ausbau der Sirenen-Infrastruktur; im laufenden Jahr waren es immerhin gut vier Millionen Euro.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

An Kälte gewöhnte Arten verschwinden von Europas Berggipfeln
Aus aller Welt

Steigende Temperaturen seit den 1980er Jahren führen dazu, dass die Pflanzenwelt in europäischen Gebirgen artenreicher wird. Allerdings gibt es auch Verlierer, wie Wissenschaftler nachgewiesen haben.

weiterlesen...
Marius Borg Høiby: Der tief gefallene Sohn der neuen Königin
Aus aller Welt

Wenn der norwegische König Harald V. an diesem Mittwoch beigesetzt wird, soll auch Marius Borg Høiby dabei sein. Trotz aller Verfehlungen und einer Verurteilung wegen Vergewaltigung.

weiterlesen...
Aus Grevenbroich in die Datenrettung: iAmbulanz startet RSQDATA
Lokalpioniere

Neue Marke aus Grevenbroich rettet Festplatten, SSDs und RAID-Systeme mit Festpreis-Garantie: kein Erfolg, keine Kosten.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Behörde: Laborantin in Sibirien starb nicht an Pest
Aus aller Welt

Nach dem Tod einer jungen Frau in einem sibirischen Krankenhaus steht der Verdacht auf Lungenpest im Raum. Die zuständige staatliche Stelle dementiert. Doch Vorsichtsmaßnahmen gelten.

weiterlesen...
Zwei Tote bei schwerem Schulbus-Unfall in Florida
Aus aller Welt

Bei einem schweren Unfall mit einem Schulbus in Florida sterben zwei Menschen, darunter eine Schülerin. Zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Behörde: Laborantin in Sibirien starb nicht an Pest
Aus aller Welt

Nach dem Tod einer jungen Frau in einem sibirischen Krankenhaus steht der Verdacht auf Lungenpest im Raum. Die zuständige staatliche Stelle dementiert. Doch Vorsichtsmaßnahmen gelten.

weiterlesen...
Zwei Tote bei schwerem Schulbus-Unfall in Florida
Aus aller Welt

Bei einem schweren Unfall mit einem Schulbus in Florida sterben zwei Menschen, darunter eine Schülerin. Zahlreiche weitere Menschen werden verletzt.

weiterlesen...